Stürze im Alter kommen oft überraschend

Stürze im Alter

Stürze im Alter sind zurecht gefürchtet, doch lassen sie sich in vielen Fällen durch richtige Sturzprophylaxe verhindern. Das Sturzrisiko steigt ab einem bestimmten Alter deutlich an. So hat eine Studie des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses gezeigt, dass gut 30 Prozent der über 65-Jährigen mindestens einmal im Jahr hinfallen. Bei diesen altersbedingten Stürzen kommt es häufig zu Verletzungen – die Folgen reichen von Prellungen und Platzwunden bis zum Oberschenkelhalsbruch oder anderen Verletzungen, die einen Krankenhausaufenthalt erfordern.

Senioren, die schon einmal oder mehrmals gestützt sind, haben zudem oft mit psychischen Problemen zu kämpfen. Sie können eine Sturzangst entwickeln, welche sie daran hindert, effektiv am Alltag teilzunehmen. Wer Angst hat, unvermittelt hinzufallen, schränkt die tägliche Bewegung häufig stark ein. Betroffene trauen sich mitunter kaum noch, den eigenen Wohnbereich zu verlassen. Doch mangelnde Bewegung und damit einhergehende Vernachlässigung sozialer Kontakte und körperlicher Aktivität verschlimmern das Problem eher noch. Warum erhöht sich die Sturzneigung im Alter und was können Sie dagegen tun?

Nach einem Sturz im Alter ist es oft schwer, alleine aufzustehen
Wer im Alter stürzt, kann oftmals nicht mehr ohne fremde Hilfe aufstehen

In diesem Blogbeitrag beschäftigen wir uns mit den Ursachen von Stürzen im Alter sowie den möglichen Folgen und geben Tipps, wie sich das Sturzrisiko verringern lässt. Springen Sie einfach mit einem Mausklick zu dem Abschnitt, der Sie am meisten interessiert.

Warum fallen ältere Menschen oft hin?

Das Sturzrisiko ist im Alter meist höher, weil manche Altersbeschwerden das Gleichgewicht, die Körperkraft oder die Koordination der Gliedmaßen beeinträchtigen. Auch Krankheiten sowie die Folgen von Verletzungen oder Operationen können die Sturzgefahr erhöhen. „Alter“ ist kein fest umrissener Zustand – ob und welche Beschwerden uns im Seniorenalter plagen, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Entsprechend lassen sich Stürze im Alter auf viele verschiedene Gründe zurückführen. Meistens kommt eine Kombination verschiedener Faktoren, die zum Sturz führen, zusammen.

Entsprechend besteht die Sturzprophylaxe stets aus einer ganzen Reihe von Maßnahmen, um Betroffene möglichst umfassend vor gefährlichen Stürzen zu schützen. Das rechtzeitige Erkennen der Gefahren ist der erste Schritt zu einer effektiven Vorbeugung. Im folgenden Abschnitt lesen Sie mehr über die wichtigsten Faktoren, die Stürze im Alter begünstigen.

Schwindelanfälle erhöhen das Sturzrisiko im Alter und können auf Krankheiten hinweisen
Wird Ihnen oft schwindelig? Im Alter stellt die eigene Biologie uns manchmal ein Bein und erhöht das Sturzrisiko

Sturzgefahr aus biologischen Gründen

Mit zunehmendem Alter lassen Muskelkraft, Seh- und Hörvermögen nach. Verschiedene Alterskrankheiten wirken sich auf unsere Beweglichkeit und Sinne aus und selbst die Medikamente, die zum Kontern von Altersbeschwerden dienen, können Nebenwirkungen besitzen, welche die Sturzgefahr im Alter erhöhen. Nachlassende Kraft und Koordination machen es schwer, Stürze abzufangen, um Verletzungen zu vermeiden. Unsere eigene Biologie stellt uns im wahrsten Sinne des Wortes ein Bein.

Prüfen Sie selbst, ob bei Ihnen oder Ihren Angehörigen einer oder mehrere der folgenden biologischen Faktoren für Stürze im Alter vorliegen.

  • Gleichgewichtsprobleme: Unser Gleichgewichtssinn hat seinen Sitz im Innenohr. Dort liegen mit Flüssigkeit gefüllte Bogengänge und Vorhofsäckchen. Bei jeder Bewegung fließt diese Flüssigkeit über feine Sinneshärchen, welche dem Gehirn signalisieren, in welcher Position sich der Körper befindet und wie schnell wir uns bewegen. Mit zunehmendem Alter reagiert das Gleichgewichtsorgan langsamer. Ist der Gleichgewichtssinn gestört, registriert das Gehirn oft zu spät, in welcher Körperhaltung wir uns befinden. Vor allem schnelle Bewegungen – zum Beispiel plötzliches Aufstehen – überfordern das Organ und Betroffene geraten aus der Balance oder erleiden Schwindelanfälle. Neben der resultierenden Sturzgefahr wird es so zugleich sehr schwer, sich irgendwo festzuhalten oder den Sturz zu bremsen. Neben dem Alterungsprozess können sich beispielsweise Medikamente oder Krankheiten negativ auf den Gleichgewichtssinn auswirken.
  • Sehstörungen: Von der Alterskurzsichtigkeit bis zu Krankheiten wie dem grauen oder grünen Star können verschiedene Faktoren das Sehvermögen im Alter einschränken. Wer ein Hindernis nicht sieht, kann diesem auch nicht ausweichen. Die Sehkraft und die Gesundheit der Augen sollten regelmäßig überprüft werden, damit ausreichend starke Sehhilfen getragen werden. Ist die Brille zu schwach, besteht unter anderem die Gefahr, dass Distanzen falsch berechnet werden. Sehprobleme können darüber hinaus auch Schwindelgefühle auslösen.
  • Herz-und-Kreislauf-Erkrankungen: Krankheiten, die den Kreislauf stören, wirken sich häufig auch auf den Gleichgewichtssinn aus. So haben Personen mit niedrigem Blutdruck oft mit Kreislaufschwächen bis hin zu Ohnmachtsanfällen zu kämpfen. Auch Bluthochdruck kann zu Schwindelanfällen führen.
  • Demenz und andere geistige Beeinträchtigungen: Leiden des Geistes – wie beispielsweise Demenz oder Alzheimer – lösen Zustände der Verwirrtheit aus und führen langfristig zu einer Unzurechnungsfähigkeit, in der sich Betroffene verlieren. Sie sind schließlich nicht mehr in der Lage, Sturzgefahren zu erkennen. Ohne professionelle Betreuung und Pflege wären häusliche Unfälle nur eine Frage der Zeit.
  • Folgen und Symptome von Krankheiten: Verschiedene Krankheiten können Gleichgewicht, Körperkraft oder Koordinationsfähigkeiten massiv stören. Parkinson-Patienten verlieren beispielsweise zeitweise jegliche Kontrolle über ihre Bewegungen. Epileptiker könnten durch einen Anfall ebenfalls schlimme Stürze erleiden. Zu den Folgen eines Schlaganfalls zählen häufig Lähmungserscheinungen, welche die Sturzgefahr erhöhen und denen nur mit intensiver Therapie zu begegnen ist.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Manche Medikamente verursachen Nebenwirkungen, welche das Bewusstsein vernebeln, Schwindel auslösen oder die Reflexe verlangsamen. Zudem wirken Arzneien wie Schlaf- und Beruhigungsmittel bei älteren Menschen oft länger nach, während ein junger Organismus diese Substanzen besser verarbeitet. Des Weiteren können zwischen verschiedenen Medikamenten Wechselwirkungen entstehen, welche das Bewusstsein oder das Gleichgewicht stören.
  • Geschwächte Muskulatur: Die Kraft der Muskeln stützt den Körper, hält ihn aufrecht und ermöglicht den Händen, sich beispielsweise an Geländern festzuhalten. Lässt die Griffkraft nach, fehlt diese Absicherung. Schwache Muskeln in Beinen, Bauch und Rücken reduzieren die Chance, einen Sturz zu vermeiden, wenn Sie über ein Hindernis stolpern. Oft ist die Muskulatur von Senioren so schwach, dass es ihnen nach einem Sturz an Kraft fehlt, um wieder aufzustehen. Auch der Gleichgewichtssinn kann seine Aufgabe nur dann verrichten, wenn die Muskeln geschmeidig und stark genug sind, um die Signale aus dem Innenohr in Korrekturen der Haltung und Bewegung umzusetzen.
  • Diabetes: Das Volksleiden Diabetes erhöht quasi als Nebenwirkung auch das Sturzrisiko. Bei einer Unterzuckerung drohen beispielsweise starke Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Der diabetische Fuß – einer der möglichen Folgeschäden der Diabetes – führt dazu, dass die Empfindungsfähigkeit der Füße gestört wird. Das Schmerz- und Druckempfinden lässt nach und Betroffene verlieren buchstäblich die Bodenhaftung. Im Alter steigt die Sturzgefahr durch Diabetes noch zusätzlich an, wenn die Krankheit mit anderen hier beschriebenen Faktoren einhergeht.
  • Arthrose: Die Arthrose ist eine Verschleißerscheinung, die sich mit steigendem Alter an verschiedenen Gelenken des Körpers manifestieren kann. Die Abnutzung oder Verletzungen der Gelenkknorpel führen dazu, dass Knochen direkt aneinanderreiben. Das Knochengewebe ist dadurch krankhaften Veränderungen und Verformungen ausgesetzt, welche enorme Schmerzen verursachen. Hände – besonders die Fingergelenke – Knie, Wirbelsäule und Hüften sind besonders oft betroffen. Entsprechend wird die Beweglichkeit betroffener Patienten stark eingeschränkt. Arthrose in den Beinen beeinträchtigt den sicheren Stand – in den Händen stört sie die Griffkraft und Fingerfertigkeit. Die Arthrose wird von Laien häufig mit der Arthritis verwechselt. Letztere ist jedoch eine Gelenkentzündung, die unter anderem als Folge der Arthrose auftreten kann. Auch die Arthritis schränkt aufgrund der verursachten Schmerzen die Beweglichkeit ein.
  • Osteoporose: Der sogenannte Knochenschwund ist eine häufige Alterskrankheit, welche das Knochengewebe porös werden lässt. Zwar ist es normal, dass der Körper mit zunehmendem Alter Knochenmasse abbaut, doch schreitet dieser Prozess bei der Osteoporose unnatürlich schnell voran. Verlieren die Knochen an Dichte, brechen sie leichter – in schweren Fällen schon bei geringen Belastungen. Da die Krankheit oft lange Zeit unbemerkt bleibt, werden gezielte Vorsorgeuntersuchungen ab einem Alter von 70 Jahren aufwärts empfohlen.
  • Niedriger Blutdruck oder Blutarmut: Niedriger Blutdruck – Hypotonie – ist in den meisten Fällen nicht gefährlich, kann jedoch Beeinträchtigungen mit sich bringen, die das Sturzrisiko erhöhen. Sinkt der Blutdruck stark ab, kann es zu Herzrasen, Schwindelanfällen und weiteren Kreislaufproblemen kommen. In seltenen Extremfällen leiden Betroffene unter gelegentlichen Ohnmachtsanfällen. Treten diese Beschwerden im ungünstigen Moment auf, wenn beispielsweise kein sicherer Sitzplatz in der Nähe ist, kann es gerade bei älteren Personen zum Sturz kommen. Eine Blutarmut verursacht ganz ähnliche Symptome – sie geht jedoch auf eine verringerte Zahl roter Blutkörperchen oder einen Mangel an Hämoglobin zurück.
  • Versehrtheit und körperliche Behinderung: Fehlende Gliedmaßen schränken die körperlichen Möglichkeiten stark ein und erhöhen mitunter auch das Risiko, zu stürzen. Sind beispielsweise Beinprothesen nicht optimal befestigt, könnten sie unter Last verrutschen und unter dem Gewicht des Trägers nachgeben. Von Bein-Amputationen betroffene müssen häufig in aufwändiger Therapie lernen, mit ihrer neuen Realität zurechtzukommen und sich wieder im Alltag zu bewegen. Verschiedene körperliche Behinderungen oder degenerative Krankheiten schränken die Beweglichkeit ebenfalls stark ein – ein Beispiel ist die Multiple Sklerose, welche nach und nach die Nervenfasern des Körpers zerstört.

Viele der oben genannten biologischen Faktoren können auch in jungen Jahren auftreten. Mit zunehmenden Alter werden ihre Auswirkungen jedoch problematischer und überschneiden sich mit anderen Altersbeschwerden. Es ist wichtig, stets auf die eigene Gesundheit zu achten und ehrlich mit sich selbst zu sein. Viele Krankheiten und Leiden lassen sich behandeln – ansonsten gibt es fast immer alternative Möglichkeiten, mit der veränderten Situation umzugehen. Wenn Sie wissen, dass Sie aus biologischen Gründen einer höheren Sturzgefahr ausgesetzt sind, lassen sich Risikoquellen leichter ausschalten. Denn wenn Körper und Sinne nicht mehr mitspielen, kann selbst das so vertraute Heim zu einem gefährlichen Ort werden.

Stürze auf Treppen sind im Alter besonders gefährlich
Treppen und andere Hindernisse werden zu gefährlichen Stolperfallen, wenn im Alter Kraft und Koordination nachlassen

Sturzrisiko durch Faktoren in Ihrer Umgebung

Viele Unfälle passieren in den eigenen vier Wänden, denn auch in einer vertrauten Umgebung können Stolperfallen lauern. Rutschige Teppiche, glatte Böden oder steile Treppen können natürlich auch gesunden Menschen jeglichen Alters zum Verhängnis werden – doch durch den Einfluss von Alterserscheinungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hindernis übersehen oder ein Handlauf verfehlt wird. Potenzielle Gefahrenquellen für Stürze in der unmittelbaren Umgebung zu erkennen, ist daher wichtig, um das Sturzrisiko zu minimieren.

  • Stolperfallen: Türschwellen, hochstehende Teppichkanten, niedrige Tische oder Hocker sowie herumliegende Gegenstände können bereits gesunde, junge Menschen zum Stolpern bringen. Für in ihrer Koordination und Beweglichkeit eingeschränkte Senioren werden sie zu gefährlichen Stolperfallen. Sind die Enkel zu Besuch oder leben Kinder im Haus, sollte darauf geachtet werden, dass kein Spielzeug mitten im Weg liegenbleibt. Vor allem Bälle, Skateboards oder Spielzeugautos können zu rasanten Stürzen führen, wenn der Fuß darauf abgesetzt wird, da sie ohne Widerstand weggleiten.
  • Glatte Böden und lose Teppiche: Vielleicht kennen Sie die Szene aus dem berühmten Theaterstück „Diner for One“, in der Butler James immer wieder über den Tigerkopf eines altmodischen Läufers stolpert. Zwar sind derartige Bodenabdecker kaum noch in heutigen Wohnungen zu finden, doch bereits einfache Teppiche oder der Fußboden selbst können Stürze begünstigen. Sorgen Sie dafür, dass alle Teppiche glatt liegen und keine Falten aufweisen, an denen Füße hängenbleiben könnten. Auf glatten Böden können Läufer und Teppiche mithilfe von Klebestreifen rutschsicher fixiert werden.
  • Sturz-Hotspot Badezimmer: In Badezimmern, beziehungsweise in Duschen und Badewannen, besteht ein besonders hohes Sturzrisiko im Alter. Gekachelte Böden oder die Keramikflächen von Badewanne und Dusche sind im nassen Zustand sehr rutschig. Schon gesunde, junge und fitte Menschen müssen sich hier mit Bedacht bewegen. Senioren, denen die nötige Kraft und Beweglichkeit fehlt, sind gerade beim Ein- und Aussteigen aus Dusche und Wanne einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt. Im weiteren Verlauf dieses Artikels werden wir noch darauf eingehen, wie sich Badezimmer, Duschen und WCs seniorengerecht einrichten lassen.
  • Treppen: Treppen zu steigen, ist anstrengend und erfordert ein hohes Maß an Koordination – gesunden, jungen Menschen ist dies meist nicht bewusst. Doch im Alter kann es sehr schwer werden, Treppen zu benutzen, da Kraft und Koordination nachlassen und das Herz beim Treppensteigen stark beansprucht wird. Nicht nur kommt es auf Treppen häufig zu Stürzen – die Sturzfolgen sind oft auch sehr schwerwiegend. Es geht mitunter weit hinunter und das mehrfache Aufschlagen auf Treppenstufen und schließlich den Boden kann multiple Verletzungen verursachen. Deshalb sollten auch keinerlei Objekte auf den Treppenstufen abgestellt werden. In vielen alten Häusern und Wohnungen bestehen Höhenunterschiede zwischen einzelnen Räumen, welche durch einzelne Stufen überbrückt werden. Diese werden schnell übersehen und stellen ein permanentes Sturzrisiko dar.
  • Falsches Schuhwerk: Schuhe – selbst „Schlappen“ und Hausschuhe – sollten fest am Fuß sitzen und nicht wackeln. Schlecht sitzende Schuhe rutschen zu leicht vom Fuß und werden damit selbst zu Stolperfallen. Flip-Flops und ähnliche Latschen stellen denkbar schlechtes Schuhwerk für sturzgefährdete Menschen dar. Sie gleiten zu schnell vom Fuß und können an Hindernissen hängenbleiben – besonders beim Rückwärtsgehen. Sind aufgrund einer Erkrankung – zum Beispiel Diabetes – Spezialschuhe zu tragen, sollten diese von einem Experten genau angepasst werden. Denn obschon die Schuhe fest sitzen sollen, dürfen sie keinesfalls Druckstellen verursachen oder das Blut abschnüren. Auch viele Socken stellen ein Sturzrisiko dar, wenn Sie damit über glatte Böden laufen. Es ist ratsam, Socken mit rutschfesten Unterseiten zu tragen.
  • Ungeeignete Kleidung: Sehr weite Kleidung, weite Ärmel oder „Schlabberhosen“ mögen bequem sein, bergen jedoch das Risiko, an Kanten oder Türklinken hängenzubleiben. Wer ohnehin Probleme mit dem Gleichgewicht hat, kommt dann schnell ins Straucheln.
  • Unzureichende Beleuchtung: Wer ein Hindernis nicht sieht, kann ihm nicht ausweichen. Sorgen Sie deshalb für gute Beleuchtung in allen Räumen und Hausfluren. Treppenstufen, Kanten und Absätze in der Wohnung können mit Leuchtstreifen markiert werden, um sie auch bei schlechten Lichtverhältnissen oder im Dunkeln sichtbar zu machen.
  • Sturzgefahr im öffentlichen Raum: Stolperfallen in der eigenen Wohnung lassen sich erkennen oder beseitigen. Anders sieht es aus, wenn Sie das Haus verlassen. Nach wie vor sind längst nicht alle Gebäude barrierefrei eingerichtet. Treppen, Rolltreppen, steile Fußwege, vogelwild auf Gehwegen abgestellte E-Roller oder gar Baumwurzeln beim Waldspaziergang stellen ein permanentes Sturzrisiko dar. Dennoch ist es wichtig und gesund, sich im Freien zu bewegen. Häufig zu bewältigende Wege könnten zusammen mit einer anderen Person abgegangen werden, um mögliche Sturzrisiken zu erkennen und sich diese einzuprägen. Gehhilfen von Spazierstöcken bis zu Rollatoren schaffen einen Ausgleich zu mangelndem Gleichgewicht sowie fehlender Kraft oder Kondition.
Es ist keine Schande, sich professionelle Hilfe zu suchen, wenn sie sturzgefährdet sind
Suchen Sie professionelle medizinische oder therapeutische Hilfe, wenn Sie schon einmal gestürzt sind

Stürze im Alter durch Nachlässigkeit oder Fehlverhalten

Leider gehen manche Menschen zu nachlässig mit der eigenen Gesundheit um und erhöhen so ihr Risiko, im Alter zu stürzen. Natürlich ist es unangenehm, sich mit den Folgen des Alterns für die eigene Person auseinanderzusetzen. Viele ältere Menschen, die schon einmal gestürzt sind, verheimlichen den Vorfall oder spielen die Gefahr herunter. Die Angst vor dem Kontrollverlust oder der Bevormundung durch andere Personen ist oft größer als die Angst vor Sturzverletzungen. Doch wer das Risiko von Stürzen im Alter verdrängt, setzt sich einer weitaus größeren Gefahr aus.

  • Mangelnde Bewegung: Zu viele Menschen bewegen sich viel zu wenig. Die typischen „Zivilisationskrankheiten“ wie Rückenprobleme oder Gelenkverschleiß haben ihren Ursprung oft bereits in jungen Jahren, wenn beispielsweise viel im Sitzen gearbeitet und kein Ausgleich durch Bewegung geschaffen wird. Wer schon bei einfachen Bewegungen unter Schmerzen leidet, schränkt seine Aktivitäten oft ein und verschlimmert die Probleme so eher noch. Nutzen wir unsere motorischen Fähigkeiten nicht, lassen diese mit der Zeit nach, sodass häufig schon Menschen mittleren Alters unter Übergewicht sowie schwindender Koordination und Beweglichkeit leiden. Zu schwache Muskulatur kann die Gelenke nicht ausreichend stützen und verringert die Chancen, einen Sturz abzufangen oder anschließend ohne fremde Hilfe wieder aufzustehen.
  • Alkohol- oder Drogenkonsum: Berauschende Substanzen wirken sich in der Regel negativ auf den Gleichgewichtssinn aus. Zudem wird in benebeltem Zustand oft die Fähigkeit herabgesetzt, Stolperfallen zu erkennen. Alkoholkonsum kann zur Selbstüberschätzung und gefährlichem Leichtsinn führen. Viele Drogen verlangsamen die Reflexe und verwirren die Sinne. Wer sturzgefährdet ist, sollte auf Alkohol- oder Drogenkonsum verzichten oder diesen zumindest stark einschränken. Allerdings sind manche Menschen gezwungen, aufgrund von Krankheiten Drogen – in Form von Medikamenten – einzunehmen. In diesen Fällen ist es wichtig, dass auch von ärztlicher Seite her Nebenwirkungen auf die Wahrnehmung oder das Gleichgewichtsgefühl abgeklärt werden.
  • Sturheit und falscher Stolz: Die Gefahr von Stürzen im Alter zu ignorieren und sich selbst von dieser Bedrohung auszuklammern, ist eine der größten Gefahren. Die Statistik zeigt uns, dass auf einen Sturz oft weitere folgen. Jeder Sturz im Alter birgt in sich die Gefahr ernster Verletzungen und bleibender Schäden. Doch viele Stürze ließen sich vermeiden, wenn Betroffene offen und ehrlich mit ihrer Situation umgehen und sich besser auf die Begleitumstände des Alterns vorbereiten würden.

Sturz im Alter – verschiedene weitere Ursachen

  • Ungeeignete oder beschädigte Gehhilfen: Gehhilfen sind nur dann hilfreich, wenn sie optimal auf die jeweilige Person eingestellt sind und die korrekte Gehhilfe für die jeweilige Situation gewählt wurde. Gehgestelle oder Rollatoren sollten beispielsweise an die Körpergröße und die Länge der Arme angepasst werden. Auch der Zustand der Gehhilfe sollte stets überwacht werden. So sind Spazierstöcke, Krücken oder Gehgestelle mit rutschfesten Gummifüßen ausgestattet. Nutzen diese sich ab, verlieren sie an Bodenhaftung und sollten schnellstens ausgetauscht werden. Auch die Räder und Feststellbremsen von Rollatoren und Rollstühlen müssen regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie sich sauber bewegen und sich in festgestelltem Zustand nicht lösen und wegrollen.
  • Angst vor weiteren Stürzen im Alter: Die Angst, nach einem Sturz erneut hinzufallen, kann fast genau so gefährlich sein wie das Stürzen selbst. Daraus kann eine fatale Unsicherheit entstehen, welche dazu führt, dass Betroffene sich immer weniger bewegen und so ihren körperlichen Zustand verschlechtern. Tatsächlich wird es so wahrscheinlicher, dass es zu erneuten Sturzunfällen kommt.

Wer gilt als sturzgefährdet?

Falls einer oder mehrere der zuvor beschriebenen Faktoren auf Sie zutreffen, könnten Sie sturzgefährdet sein. Statistisch gesehen, nehmen biologische Sturzursachen mit steigendem Alter immer mehr zu – gleichzeitig sorgt der körperliche und mitunter geistige Abbau dafür, dass eine größere Gefahr von Stolperfallen in der Umgebung ausgeht.

Studien des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses haben gezeigt, dass fast ein Drittel der über 65-jährigen mindestens einmal pro Jahr hinfallen. Ab einem Alter von 80 Jahren ist schon fast jeder zweite Senior von altersbedingten Stürzen betroffen.

Oberschenkelhalsbruch nach Sturz im Röntgenbild
Der Oberschenkelhalsbruch gehört zu den gefürchtetsten Folgen von Stürzen im Alter

Welche Folgen können Stürze im Alter haben?

Stürze im Alter können schwerwiegende Folgen haben, da unser Körper mit zunehmendem Alter anfälliger für Verletzungen wird. Hautabschürfungen, Prellungen oder Verstauchungen – an den Handgelenken durch den Versuch, den Sturz abzufangen – zählen noch zu den harmloseren Folgen. Denn häufig kommt es zu Verletzungen, welche eine ärztliche Behandlung notwendig machen. Jedes Jahr werden rund 400.000 Patienten über 65 Jahren mit Sturzverletzungen in deutschen Krankenhäusern behandelt.

Da es im Alter oft an Kraft und schnellen Reflexen mangelt, prallen viele Senioren bei einem Sturz mit dem Kopf auf. Dabei drohen ernsthafte Verletzungen von der Gehirnerschütterung bis zu Hirnblutungen. Da Rentner nicht selten blutverdünnende Medikamente einnehmen, können solche Blutungen besonders gefährlich sein. Treten nach einem Sturz auf den Kopf Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Bewusstseinseintrübungen auf, kann eine Hirnblutung vorliegen, welche schnellstmöglich im Krankenhaus behandelt werden muss. War die verunglückte Person für eine Weile bewusstlos, sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden.

Im Alter geht die Knochendichte zusehends zurück. Deshalb kann jeder Sturz im Alter Knochenbrüche nach sich ziehen. Eine typische Sturzverletzung bei älteren Menschen ist der Oberschenkelhalsbruch. Auch Beckenknochen oder Steißbein können betroffen sein – je nachdem, welche Körperpartie die Hauptlast des Aufschlags trägt. Wer vorwärts stürzt, versucht in der Regel, sich mit den Armen abzustützen. Dabei kann es zu Knochenbrüchen an Elle und Speiche, den Handgelenken oder Ellenbogen kommen. Jeder Knochenbruch bringt auch die Gefahr von Einblutungen mit sich, wenn Knochensplitter oder Bruchkanten das umliegende Gewebe verletzen.

Jeder Sturz im Alter birgt somit die Gefahr in sich, lange im Krankenhaus zu liegen oder gar zum Pflegefall zu werden. Sorgen Sie deshalb rechtzeitig vor, damit Ihr Sturzrisiko oder das Risiko Ihrer Angehörigen so klein wie möglich gehalten wird.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass natürlich nicht nur alte Menschen stürzen. Viele der bereits genannten Sturzgründe können in jedem Alter zum Hinfallen führen – jüngere Menschen haben bloß meist eine bessere Chance, den Sturz ohne ernste Verletzung abzufangen oder sich von dessen Folgen zu erholen.

Haltegriff gegen das Sturzrisiko
Die Installation von Haltegriffen an geeigneten Stellen in der Wohnung sorgt dafür, dass Stützen vorhanden sind, wo sie gebraucht werden

Was kann ich tun, um Stürze zu vermeiden?

Ein Großteil der Stürze im Alter ließe sich mit einer geeigneten Sturzprophylaxe verhindern. Sind sturzgefährdete Personen aufgrund von Demenz, Senilität, körperlicher Schwäche oder anderer Alterserscheinungen nicht selbst dazu in der Lage, sollte die Vorbeugung von Stürzen seitens Angehöriger oder Pflegedienste erfolgen.

Zunächst sollten Sie die Wohnung und deren unmittelbare Umgebung absuchen und möglichst alle Stolperfallen beseitigen. Entfernen Sie lose oder kaputte Teppiche, räumen Sie lose Kabel oder herumliegende Gegenstände aus dem Weg und prüfen Sie das Schuhwerk der Betroffenen. Teppiche und Läufer können auch mithilfe von doppelseitigen Klebebändern rutschfest am Boden befestigt werden.

Besondere Aufmerksamkeit sollte der Absicherung des Badezimmers gegen Sturzgefahren gewidmet werden. Glatte Fußbodenfliesen stellen vor allem im nassen Zustand einen unsicheren Untergrund dar – es gibt jedoch auch Fliesen und Kacheln mit rutschhemmenden Oberflächen. Die harten Kanten von Toilette, Badewanne oder Waschbecken können ernste Verletzungen verursachen, wenn man darauf stürzt. In Wanne und Dusche selbst besteht ebenfalls erhöhte Sturzgefahr, wenn die Benutzer durch Alterserscheinungen geschwächt sind.

Zur Absicherung des Badezimmers lassen sich verschiedene Maßnahmen ergreifen – von der Installation von Haltegriffen neben Waschbecken und Toilette sowie in Dusche und Badewanne bis zum kompletten barrierefreien Umbau. So können Badewannen und Duschen mit bodentiefen Türen versehen werden, welche das Ein- und Aussteigen massiv erleichtern. Alternativ lassen sich rutschfeste Trittstufen vor der Wanne stapeln. Der glatte Boden von Badewanne oder Dusche kann mit Sicherheits-Duschmatten abgedeckt werden. Diese verfügen über Saugnäpfe, welche sie sicher am Platz halten. Um nicht die ganze Zeit stehen zu müssen, empfehlen sich auch Duschhocker oder Duschstühle, die einfach in der Dusche platziert werden. Auch für Pfleger oder Angehörige, die Senioren in häuslicher Pflege betreuen, wird das Waschen der Pflegebedürftigen so deutlich erleichtert.

Wenn Sie mehr über die seniorengerechte Einrichtung von Badezimmern lesen wollen, empfehlen wir Ihnen unseren Blogbeitrag zum Thema: Barrierefrei im Bad – das seniorengerechte Badezimmer.

Eine weitere große Gefahr von Stürzen im Alter geht von Treppen aus. Treppensteigen strengt an und jede einzelne Stufe ist ein weiteres Hindernis für eingeschränkte oder altersschwache Menschen. Kreislaufprobleme, Muskelschwäche oder fehlende Koordination können dazu führen, dass die Füße an den Stufen hängenbleiben oder Schwindelanfälle nach sich ziehen. Wer auf einer Treppe stürzt, fällt mitunter tief und hart. Deshalb sollten Treppen in Haus und Garten stets mit stabilen Handläufen und Geländern ausgestattet sein.

Mit einem Treppenlift sicher Treppen jeder Art benutzen
Die Installation moderner Treppenlifte ist auf praktisch allen Treppen möglich und erspart Ihnen das Treppensteigen

Die sicherste Methode, um Treppen gefahrlos zu bewältigen, stellt ein Treppenlift dar. Deren elektrisch betriebene Sitze fahren die Stufen hinauf oder herunter und geben sturzgefährdeten Menschen die Mobilität im eigenen Heim zurück. So ist es beispielsweise nicht nötig, in eine Wohnung ohne Treppen umzuziehen – Senioren können weiterhin in der vertrauten Umgebung wohnen. Zudem sind moderne Treppenlift-Systeme bereits sehr platzsparend und einfach zu installieren.

Wenn Sie sich für den Einbau eines Treppenlifts interessieren, können Sie sich direkt an Medicalcorner24® wenden, denn Ihr zuverlässiger Lieferant für Medizinprodukte führt eine Kooperation mit Acorn, dem namhaften Hersteller moderner Treppenlifte, die sich an jede Treppe anpassen lassen. Lesen Sie hier mehr zu Treppenliften von Acorn.

Altenheime und Pflegeheime sind für gewöhnlich gut ausgerüstet, um das Sturzrisiko gerade bei dementen Patienten zu reduzieren. Zum einen sind Zimmer und Flure in einem guten Heim so gestaltet, dass keine Stolperfallen entstehen. Zum anderen werden Hilfsmittel eingesetzt, welche das Pflegepersonal auf das Verhalten dementer Bewohner aufmerksam machen. Viele Institutionen setzen deshalb unter anderem auf Funk-Sicherheitsmatten, welche vor dem Pflegebett platziert werden. Steigt eine demente Person beispielsweise nachts aus dem Bett, betritt sie die Fußmatte, welche sofort ein Signal ans Pflegepersonal sendet, sodass ein Betreuer nach dem Rechten sehen kann.

Gelenkschonendes Krafttraining mit Bändern
Geeignete sportliche Aktivitäten können das Sturzrisiko im Alter senken – zum Beispiel Krafttraining mit Fitnessbändern

Maßnahmen, die sturzgefährdete Personen selbst ergreifen können

Sie müssen den Abbau von Körperkraft, Gleichgewichtssinn und Koordination im Alter nicht widerstandslos hinnehmen. Vielen Menschen fehlt es ein ganzes Arbeitsleben lang an der richtigen Bewegung. Stundenlang in einer sitzenden Position am Schreibtisch zu verharren, ist Gift für den Körper. In anderen Fällen setzt eine drastische Verschlechterung mit Beginn des Rentenalters ein, weil Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, auf einmal nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Lassen Sie es nicht soweit kommen!

Bewegung ist der Schlüssel, um Koordination, Kraft und Reaktionsvermögen bis ins hohe Alter zu erhalten. Und dafür ist es keineswegs nötig, dass Sie Leistungssport betreiben. Tägliche Spaziergänge tragen bereits viel dazu bei, denn der menschliche Körper ist dafür gemacht, sich im aufrechten Gang voranzubewegen. Stehen Sie auch zuhause immer wieder auf, um zwischen den Räumen hin- und herzulaufen oder gehen Sie beim Telefonieren gemächlichen Schrittes durch Ihre Wohnung.

Um die Balance zu trainieren, helfen ebenfalls schon einfache Übungen. So können Sie sich einfach von Zeit zu Zeit auf ein Bein stellen und das Gleichgewicht halten. Oder Sie stellen sich auf die Zehenspitzen, halten die Position für eine Weile und setzen die Füße dann wieder ab. Solche Übungen lassen sich zum Beispiel problemlos in die abendliche Routine vor dem Fernseher einbauen. Nachdem Sie eine Weile im Stehen geübt haben, können Sie sich immer noch mit gutem Gewissen auf die Couch legen.

Wer sich noch etwas mehr zutraut, kann auch mit einem sogenannten Balancetrainer arbeiten. Dabei handelt es sich um Trainingsgeräte mit einer eingebauten Instabilität – beispielsweise runde Scheiben mit einem Ball darunter oder Balance-Pads, die wie nicht vollständig aufgeblasene Luftmatratzen wirken. Sie können auf diese Balancetrainer steigen und somit die tiefe Muskulatur in Unterleib, Bauch und Rücken trainieren, welche benötigt wird, um uns aufrecht zu halten. Auch Übungen, bei denen sich mit den Händen auf dem Trainingsgerät abgestützt wird, sind möglich.

Balancetrainer lassen sich häufig auch mit „langsamen“ Sportarten wie Tai Chi oder Yoga verbinden, welche beide hervorragende Methoden darstellen, auf schonende Weise Kraft- und Koordinationstraining zu verbinden sowie den Kreislauf zu stärken. Wer an entsprechenden Kursen teilnimmt, lernt zudem Gleichgesinnte kennen und kann neue soziale Kontakte knüpfen. Gemeinsam mit Anderen zu trainieren, stärkt häufig die Motivation und macht mehr Spaß.

Yoga entstammt der indischen Kultur und stellt eine Kombination aus körperlichen Übungen und Atemübungen dar. Der Körper wird dabei in verschiedene Positionen gebracht, welche für eine Weile gehalten werden. Diese Übungen werden in Einklang mit tiefen Atemzügen gebracht. Es existieren verschiedene Arten und Abstufungen von Yoga – bei manchen steht der philosophische Aspekt der Entspannung von Geist und Körper im Vordergrund, während andere Varianten mehr auf die körperliche Ertüchtigung setzen. Einfaches Yoga für Einsteiger können Sie auch als völlig „unsportliche“ Person beginnen und sich langsam steigern. Der Vorteil am Yoga ist die Leibesertüchtigung bei minimaler Belastung, welche durch die kontrollierte Atmung zugleich einen energetischen und entspannenden Effekt mit sich bringen kann.

Mit Tai Chi auf schonende Weise Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit stärken
Langsame und schonende Sportarten wie Tai Chi können in jedem Alter begonnen werden, um den Körper und das Gleichgewicht zu stärken

Tai Chioder „Taijiquan“ hat seinen Ursprung in den chinesischen unbewaffneten Kampfkünsten. Jedoch hat sich die Kampfkunst bis in unsere moderne Zeit immer mehr zu einer erholsamen Bewegungssportart entwickelt. Im Tai Chi werden fließende Bewegungsabläufe mit langsamer Geschwindigkeit und einem Minimum an Krafteinsatz absolviert. Dabei entstehen aus den Bewegungen sogenannte „Formen“ im „Kampf“ gegen einen imaginären Gegner. Auch beim Tai Chi spielt die kontrollierte Atmung eine wichtige Rolle. Die Bewegungsübungen sind gut für die Gelenke und helfen, die Beweglichkeit der Gliedmaßen zu erhalten und zu verbessern. Studien haben gezeigt, dass auch das Herz-Kreislauf-System und die psychische Gesundheit von der regelmäßigen Praktizierung des Tai Chi profitieren.

Ein besonders sicheres und schonendes Training bietet die Wassergymnastik. Das Wasser trägt den Großteil des Körpergewichts, sodass auch geschwächte oder übergewichtige Personen gelenkschonend und sicher trainieren können. In vielen Schwimmbädern werden entsprechende Kurse angeboten. Diese haben zudem den Vorteil, dass Sie dabei andere Menschen in Ihrem Alter und mit ähnlichen Problemen kennenlernen und soziale Kontakte knüpfen. Zusammen mit Gleichgesinnten zu üben, schafft zusätzliche Motivation und Sie finden vielleicht neue Freunde, mit denen Sie auch in Ihrem Alltag etwas unternehmen können.

Training zum Muskelaufbau schafft nicht nur neue Kraft – aktives Muskelgewebe trägt zu einer guten Durchblutung bei und sorgt für einen besseren Energieumsatz, wenn Sie Kalorien zu sich nehmen. Schon das Tragen schwerer Gegenstände kann Muskeln, Herz und Kreislauf stärken. So werden bereits Einkaufstaschen zu nützlichen Trainingsgeräten. Wenn Sie umfangreichere Übungen machen möchten, können Sie Hanteln in verschiedenen Formen und Größen nutzen. Da es diese Trainingsgewichte in vielen Abstufungen von leicht bis sehr schwer gibt, lässt sich das Training an die eigenen Möglichkeiten anpassen und mit der Zeit langsam steigern.

Das Training mit Bändern bringt im Alter einige Vorteile gegenüber klassischem Hanteltraining mit sich. Fitnessbänder oder Therabänder ermöglichen eine fließend an- und absteigende Belastung, ohne die aktuell verfügbare Körperkraft zu überfordern. Vor allem die Gelenke werden durch diese Art des Trainings geschont. Trainieren Sie dagegen mit Hanteln, müssen Sie jederzeit das volle Gewicht des Trainingsgeräts bewegen – die Belastung der Gelenke ist höher.

Es empfiehlt sich natürlich, schon in jungen Jahren ein gewisses Maß an regelmäßiger Bewegung und Anstrengung beizubehalten. Was Sie an Kondition und Kraft einbüßen, lässt sich mit steigendem Alter immer schwerer aufholen. Bleiben Sie dagegen aktiv, haben Sie die besten Chancen, sich Ihre Mobilität bis ins hohe Alter zu bewahren. Es ist niemals zu spät, um mit Sport oder körperlicher Aktivität zu beginnen.

Es ist jedoch ratsam, Ihren Arzt zu konsultieren, bevor Sie in fortgeschrittenem Alter wieder mit Sport anfangen. Je nachdem, wie fit Sie noch sind oder unter welchen Beschwerden Sie leiden, benötigen Sie womöglich ein speziell für Ihre Bedürfnisse zusammengestelltes Trainingsprogramm. Viele Arztpraxen bieten zudem geriatrische Vorsorgeuntersuchungen an, um Ihr Sturzrisiko einzuschätzen und Ihnen gezielte Ratschläge für die Sturzprophylaxe zu erteilen.

Das Tragen spezieller Schutzkleidung kann die Verletzungsgefahr bei Stürzen mindern. So bieten viele Hersteller medizinischer Spezialkleidung bereits sogenannte Hüftprotektoren an. Dabei handelt es sich um Unterwäsche, welche mit Polstern im Bereich der Hüfte versehen sind. Da viele Stürze im Alter mit dem Aufschlag im Hüftbereich enden, kann das Tragen dieser Hüftprotektoren die Wahrscheinlichkeit eines Oberschenkelhalsbruchs oder anderer Hüftverletzungen verringern.

Nutzen Sie Gehhilfen, um aktiv und mobil zu bleiben
Gehstöcke, Rollatoren und andere Gehhilfen erhalten Ihnen die Mobilität und lassen Sie weiter am täglichen Leben teilnehmen

Es empfiehlt sich des Weiteren, Gehhilfen zu benutzen, denn diese ermöglichen auch bei körperlichen Einschränkungen die Teilnahme am Alltag und erhalten vielen Senioren die Eigenständigkeit bis ins hohe Alter. Je nachdem, wie eingeschränkt Sie in Ihrer Bewegung sind – ob die Einschränkung vorübergehend oder dauerhaft ist – stehen verschiedene Gehhilfen zur Auswahl:

  • Gehstöcke: Der Gehstock ist die einfachste Variante, wenn es darum geht, einen Teil des Körpergewichts zu tragen oder ein verletztes Bein zu entlasten. Vom einfachen Spazierstock – der auch ein modisches Accessoire sein kann – bis zu höhenverstellbaren Unterarmgehstützen (Krücken) existieren viele Varianten. Rutschfeste Gummikapseln am Stockende sorgen für sicheren Halt, wenn Sie sich auf einem Gehstock abstützen. Gehstöcke sind nützlich, wenn beispielsweise ein Fuß oder ein Knie verletzt ist oder nur geringe körperliche Einschränkungen bestehen. Bei ausgeprägtem Beweglichkeits- oder Kraftverlust sollten andere Gehhilfen gewählt werden.
  • Gehgestelle: Gehgestelle sind darauf ausgelegt, dass Benutzer sich mit dem ganzen Gewicht darauf abstützen können. Die stabilen Gestelle bestehen aus Metall oder robustem Kunststoff und halten teils 130 Kilogramm oder mehr aus. Weiche Griffe schonen die Hände, während rutschhemmende Gummifüße für Stabilität auf allen Böden sorgen. Das Gehgestell wird mit beiden Händen gegriffen und bei jedem Schritt ein Stück vorgesetzt. Neben dem Alltagsgebrauch kommen Gehgestelle auch häufig bei der Physiotherapie zum Einsatz – beispielsweise, wenn das Gehen nach einer Operation von neuem trainiert werden muss.
  • Gehwagen und Rollatoren: Rollatoren und Gehwagen funktionieren ähnlich wie Gehgestelle, verfügen jedoch über Rollen – es handelt sich also um fahrbare Gehstützen. Mit Rollatoren lassen sich auch größere Strecken – beispielsweise zum Einkaufen – zurücklegen. Die Räder können mit Feststellbremsen blockiert werden. Viele Modelle verfügen über ausklappbare Sitze und können so jederzeit für eine Ruhepause genutzt werden. Zubehör wie Einkaufskörbe oder Schirmhalter erleichtern das Mitnehmen von Gegenständen oder dienen der Befestigung von Regenschirmen, um bei jedem Wetter die Bewegung im Freien zu ermöglichen.
  • Rollstühle: Wer gar nicht mehr oder kaum noch laufen kann, nimmt am besten in einem Rollstuhl Platz. Ob elektrisch oder per Handschwung betrieben – Rollstühle ermöglichen die Fortbewegung in barrierefreien Innen- und Außenräumen im Sitzen. Spezielle Sicherheitsgurte für Rollstühle können angelegt werden, um zu verhindern, dass geschwächte Personen aus dem Rollstuhl herausfallen.

Sie finden verschiedene Gehhilfen sowie Zubehör für Krücken, Gehstöcke und andere Stützen im Onlineshop von Medicalcorner24®.

Was tun, wenn ein Sturz passiert ist?

Die besten Vorbeugungsmaßnahmen können nicht zu hundert Prozent verhindern, dass doch einmal ein Sturz passiert. Deshalb sollten Sie einen klaren Plan für die Notsituation haben und sich auf den Fall der Fälle vorbereiten. Senioren, deren geistige Fähigkeiten nicht zu sehr durch Demenz, benebelnde Medikamente oder die Folgen des Sturzes eingeschränkt sind, können selbst Hilfe herbeirufen, wenn sie ein mobiles Notrufsystem bei sich tragen.

Mit dem mobilen Notruf kann nach einem Sturz schnell Hilfe gerufen werden
Tragen Sie einen mobilen Notrufsender, können Sie im Falle eines Sturzes per Knopfdruck schnell professionelle Hilfe rufen

Diese Notrufsysteme bestehen in der Regel aus einem einfachen Knopf, der an einem Armband oder um den Hals getragen wird. Sobald der Knopf gedrückt wird, aktiviert sich eine nahe Alarmstation, welche sofort Kontakt mit einem Not- oder Pflegedienst herstellt. Helfer können sich unmittelbar auf den Weg machen, um den gestürzten Senioren schnelle Hilfe zu leisten.

Selbst wenn Sie es schaffen, nach einem Sturz allein aufzustehen, ist es meist ratsam, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Die Folgen mancher Verletzungen zeigen sich erst mit Verzögerung. Dies gilt beispielsweise, wenn Sie auf den Kopf gefallen sind – es muss in diesem Fall die Möglichkeit einer Gehirnerschütterung oder schlimmerer Folgen abgeklärt werden. Auch Knochenbrüche sind nicht immer sofort zu erkennen – ein Haarriss im Knochen könnte sich zunächst wie eine schmerzhafte Prellung anfühlen, bis es unter Belastung zum „richtigen“ Bruch kommt. Resultieren schwere Stürze in inneren Verletzungen, kann es zu Einblutungen ins Gewebe kommen, die erst Stunden später zu einer Verschlimmerung der Situation führen. Im Zweifel ist es immer besser, auf Nummer Sicher zu gehen – in Ihrem eigenen Interesse.

Fazit:

Stürze im Alter lassen sich nie ganz ausschließen, doch die Gefahr kann durch Sturzprophylaxe und einen ehrlichen Umgang mit der eigenen Situation verringert werden. Wenn Sie sich selbst gut beobachten und sich eingestehen, dass Kraft und Koordination nachlassen, können Sie Vorsichtsmaßnahmen in den Alltag integrieren, ohne Ihre Selbstständigkeit aufzugeben oder sich bevormunden zu lassen. Denn die Folgen eines Sturzes könnten Ihr Leben weitaus stärker einschränken. Es ist sicher besser, eine Gehhilfe zu benutzen, als nicht mehr gehen zu können. Gemächlich mit dem Treppenlift zu fahren, ist gewiss eine schönere Erfahrung, als die Stufen herabzupurzeln.

Spätestens, wenn Ihnen ohne Fremdverschulden ein Sturz passiert, ist es Zeit für ärztliche Vorsorgeuntersuchungen und ein Umdenken im Alltag. Sie werden feststellen, dass die Sturzprophylaxe Sie gar nicht so sehr einschränkt wie Sie vielleicht befürchten. Geben Sie auf sich Acht und bleiben Sie der Familie und Freunden, den Kindern und Enkeln lange erhalten und nehmen Sie weiter am Leben teil. Wir wünschen es Ihnen sehr!

Autor: Matthias Protzel
Matthias Protzel
Viele unserer Blogbeiträge stammen aus der Feder des selbstständigen Hamburger Autoren Matthias Protzel, der einst seinen Zivildienst beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes absolvierte und sich seitdem ein aktives Interesse an medizinischen Themen bewahrt hat. Heute bietet er als Freelancer „Northern Blue" professionelle Texte aller Art an und schreibt im Auftrag von Medicalcorner24 über verschiedenste Gesundheitsthemen.